Mögliche Lehren aus Winneden

•März 12, 2009 • Kommentar schreiben

Nun ist es also wieder passiert – erneut scheint ein psychisch gestörter junger Mann derart frustriert über seine Lebenssituation gewesen zu sein, dass ihm ein Amoklauf als einzig sinnvolle verbleibende Alternative erschien. Nach Erfurt 2002 und Emsdetten 2006 wurden erneut mitten in Deutschland unschuldige Menschen aus ihren Leben gerissen – und erneut war der Tatort eine Schule. Doch anders als diese vorangegangenen Taten haben die Geschehnisse in Winneden das Potenzial, die Politiker von CDU und CSU in eine tiefe Sinnkrise zu stürzen.

Denn auch wenn sich laut Staatsanwaltschaft Ego-Shooter auf seiner Festplatte befunden haben mögen, war Tim K., der als nett und unauffällig beschrieben wird und insbesondere als Tischtennisspieler sportlich aktiv war, alles andere als ein Zocker, der seine Tage mit dem Spielen sogenannter Killerspiele verbringt. Damit aber erweist sich das Erklärungsmodell für solche Taten, auf das konservative deutsche Politiker seit geraumer Zeit zurückgreifen, schlicht als unzutreffend: Die Ursache sind in diesem Fall eben nicht brutale Computerspiele, die – angeblich – an sich friedliche Jugendliche in Gewalttäter verwandeln würden. Zwar können gewalttätige Spiele bei psyschisch labilen Personen das Aggressionspotenzial steigern – gleiches trifft jedoch genauso auf gewalthaltige Filme, Liedtexte oder auch Bücher zu.

Anstatt also reflexartig die Schuld für solche Taten bei Computerspielen zu suchen und auf erneute Verschärfungen des Jugendschutzes zu drängen, sollte dieser aktuelle Fall vielmehr dazu anregen, sich mit den eigentlichen Ursachen solcher Amokläufe auseinanderzusetzen. Tim K. war nämlich – wie soviele seiner Vorgänger – ein Waffennarr; seinen Vater begleitete er zum örtlichen Schützenverein, in seiner Freizeit übte er zudem mit Softairpistolen im elterlichen Keller. Schützenvereine mögen eine heilige Kuh der Konservativen insbesondere in Süddeutschland sein – dennoch sollte spätestens jetzt über die Daseinsberechtigung dieser Vereine diskutiert werden. Wozu benötigen wir Vereine, in denen Zivilisten den Umgang mit tödlichen Schusswaffen erlernen und trainieren? Wieso räumen wir zivilen Personen überhaupt das Recht ein, Waffen zu besitzen und zuhause zu lagern? Sollte das Gewaltmonopol in einem modernen demokratischen Staat nicht stets ausschließlich beim Staat liegen?

Ob Erfurt, Emsdetten oder  Winneden- die Täter waren jeweils versiert im Umgang mit den von ihnen genutzten Tatwerkzeugen, gelernt hatten sie die Nutzung dieser Waffen zumeist in Schützenvereinen. Die Tatwaffen wiederum waren legal erworben worden, von den Tätern selbst oder aber von ihren Eltern.  Wenn man also wirklich zukünftige Amokläufe verhindern will, sollte man an diesen Punkten ansetzen, also Schützenvereine und den privaten Besitz von Waffen deutschlandweit generell verbieten. Denn ein vorgestellter, gedanklich durchgespielter Amoklauf wird erst dann zu einer tatsächlichen Bluttat, wenn der potenzielle Täter auch die Möglichkeiten (sprich Waffen und die Fähigkeit damit umzugehen) dazu erlangt.

Träumen von Platz 1

•Februar 27, 2009 • Kommentar schreiben

Für einen Hertha-Fan waren die letzten Wochen und Monate natürlich ein wahrer Traum, wenn man mal vom mittelmäßigen Abschneiden im Uefa-Cup absieht (das 0:4 gegen Piräus schmezt immer noch). Wenn irgendjemand vor der Saison vorrausgesagt hätte, Hertha würde nach 20 Spieltagen auf Platz 1 stehen, hätte man ihn vermutlich in eine geschlossene Anstalt einweisen lassen. Der Umstand, dass der bisherige Erfolg Herthas eben nicht an die Mitwirkung einiger bedeutender Spieler gebunden ist, dass Herthas Spiel vielmehr immer unabhängiger von Einzelpersonen wird, macht die Erfolge noch überraschender – und stellt die exellente Arbeit des Trainers noch mehr heraus. Wie genau es zu einem derartigen Leistungssprung praktisch aller Spieler der Mannschaft kommen konnte, weiß wohl nur Favre selbst, den man wohl schon jetzt ohne Übertreibung als Hoeness’ größten Transfercoup bezeichnen kann.

Nach dem kleinen Rückschlag gegen Wolfsburg geht es nun also am Wochenende gegen Gladbach mit Hans Meyer. In der aktuellen Verfassung ist Hertha ein Sieg durchaus zuzutrauen, womit man auch nach 22 Spielen weiter unter den ersten 3 wäre. Wie lang Hertha sich noch da oben halten kann wird man sehen – vielleicht ja doch bis ganz zum Schluss, vielleicht reicht es doch zur ganz großen Überraschung. Sicher, auf dem Papier hat Herthas Kader nicht das Format der Konkurrenz – aber traf das auf Stuttgart 2007 , Werder 2004 oder Kaiserslautern 1998 nicht genauso zu ?

Wieder am Start

•Februar 27, 2009 • Kommentar schreiben

Nach einem doch recht stressigen Wintersemester am HPI – wobei der Stressfaktor tatsächlich von Semester zu Semester zu nimmt – und einem kleinen Umzug im Dezember, der auch noch dazwischen kam, ist jetzt endlich wieder Zeit das Studentenleben etwas mehr zu genießen. Ausschlafen, zocken, entspannen ist also angesagt – außerdem die perfekte Gelegenheit, den Blog wieder mal aufleben zu lassen

20:30 Uhr : Hertha – Benfica

•Oktober 23, 2008 • Kommentar schreiben

Heute Abend steht also das erste Gruppenspiel für Hertha in der Uefa-Cup-Zwischenrunde an. Erstmals seit Jahren tritt außerdem ein europäischer Spitzenklub in Berlin an – Benfica Lissabon. Leicht wird das heute also nicht, aber nach den Siegen über Leverkusen und Stuttgart habe ich ein gutes Gefühl das alles gut geht und Hertha heute gewinnt. Interesant wird außerdem sein, ob Pantelic heute wieder aufläuft. Ich hoffe zwar, dass er auch heute abseits des Spielfeldes über sein Verhalten in letzter Zeit reflektieren darf; sollte Voronin aber nicht spielen können, bleibt Favre wohl keine andere Wahl als den Serben wieder einzusetzen – vielleicht nutzt der diese Chance ja sogar zur teilweisen Wiedergutmachung…

Das bittere Wochenende des Marko P.

•Oktober 19, 2008 • 1 Kommentar

Die erste wichtige Entscheidung dieser Bundesligasaison ist also gefallen: Gladbach wird ab sofort wieder von Hans Meyer trainiert – mit dem Trainer, der unter anderem Hertha und Nürnberg souverän vor dem Abstieg rettete, ist man am nun auf dem besten Weg die Abstiegssorgen in nächster Zeit hinter sich zu lassen. Glückwunsch also nach Gladbach für diese weise Entscheidung.

Noch positivere Signale sendet aber – glücklicherweise – Hertha aus. Nach dem 2:1 über Stuttgart, dem zweiten Sieg über eine Spitzenmannschaft in Folge und dem ersten Heimsieg der Saison steht Hertha nun schon auf Platz 4. Sollte es so weiterlaufen, könnte das insgeheime Saisonziel sich auf sportlichem Weg für den Uefa-Cup zu qualifizieren tatsächlich erreicht werden. Der Sieg gegen Stuttgart aber bedeutete mehr als nur sportlichen Aufwärtstrend bei Hertha. Vielmehr wurde mit diesem Sieg auch der Nimbus der immensen Bedeutung Pantelics für Hertha zerstört. Seit seiner Verpflichtung vor 3 Jahren konnte Hertha kein Pflichtspiel mehr ohne ihn gewinnen – seit Sonnabend ist dies nun anders. Auch ein Marko Pantelic ist also ersetzbar.

Und genau diese für ihn bittere Erkenntnis ist es, die Pantelic zum einzigen Verlierer dieses Wochenendes macht. Zwar darf er bereits wieder mit der Mannschaft trainieren, was ich persönlich – wie letztens erläutert – für einen schweren Fehler hinsichtlich Favres Autorität der Mannschaft gegenüber halte – ob Pantelic aber noch eine Zukunft über die Saison hinaus bei Hertha hat, ist nach dieser Woche mehr als fraglich. Übertrieben fürchten muss sich Hertha jedenfalls nicht vor einer Trennung von Pantelic.

Von Fallsucht am Flughafen und Lustlosigkeit am Arbeitsplatz

•Oktober 17, 2008 • Kommentar schreiben

Nach der für die Nationalmannschaft sehr erfolgreichen WM-Qualifikation steht nun also wieder Bundesligakost an. Damit geht es auch für Hertha nach zwei entspannten Wochen wieder hektischer zu – wobei die Pause für Hertha bei genaueren Hinsehen nicht annähernd so entspannt verlief wie erhofft.

Zum Einen brachte es Andrey Voronin fertig, mit einer gebrochenen Nase aus der Länderspielpause zurückzukehren, ohne auch nur eine einzige Minute für die Ukraine gespielt zu haben. Die Verletzung rührte von einem Sturz Voronins auf dem Flughafen - die Auszeichnung für den skurilsten Unfall der Saison dürfte er damit sicher haben. Während man über die Fallsucht Voronins, der mit einer Maske dennoch spielen kann, noch schmunzeln mag, sorgt eine andere Personalie für ungleich mehr Unmut:

Anstatt gelöst und mit Rückenwind nach dem Sieg über Bayer in das Spiel gegen den VfB Stuttgart zu gehen, ist man wieder einmal mehr mit sich als mit dem Gegner beschäftigt – was vorallem an Marko Pantelic liegt. Gerade von den Boulevardblättern wird der Serbe ja immer wieder als Diva bezeichnet – und in der Tat tut er momentan sein bestes um diese Meinung zu bestätigen. Er verbringt seine Zeit zwar nicht vorrangig in Discos wie einige andere Diven, die einst bei Hertha unter Vertrag standen, auf dem Trainingsplatz jedoch auch nicht allzu häufig. So ist es ein offenes Geheimnis, dass Pantelic nur zu gerne medizinische Begründungen voranstellt um einem Arbeitstag auf dem Trainingsgelände zu entfliehen. An diesem Donnerstag nun blieb er konsequenter Weise gleich ganz zu Hause – unentschuldigt, ohne Begründung. Diese Aktion nun war derart dreist, dass Lucien Favre gar nichts anderes mehr übrig blieb, als Pantelic zu suspendieren, da seine gesamte Reputation und Autorität sonst in Frage gestanden hätten.

Somit wird Hertha morgen also ohne Pantelic auflaufen, was sicher eine Schwächung darstellt, aber dennoch nach dem Vorkommnis von Donnerstag unausweichlich ist. Ebenso alternativlos ist nun aber auch die vollständige Trennung von Hertha und Pantelic. Favre wäre gut beraten, sich ähnlich wie Jogi Löw im Fall Kuranyi zu verhalten und die Tür für Pantelic endgültig zuzuschlagen. Denn zum Einen wird Hertha auf Dauer keinen Spieler aushalten können, der schon längst nicht mehr mit vollem Engagement für seinen Verein spielt, sondern von Chelsea träumt, der Elfmeter schießt obwohl es ihm ausdrücklich von Trainer und Manager untersagt wurde und der nur zum Training erscheint, wenn er Lust dazu hat. Zum Anderen darf sich Favre keinen Rückzieher erlauben, wenn er vom Rest der Mannschaft weiterhin respektiert werden möchte. Sollte Pantelic begnadigt werden und zur Mannschaft zurückkehren, dürften die Tage von Favre in Berlin wohl bereits wieder zu Ende gehen.

Attraktionen im Uefa-Cup

•Oktober 7, 2008 • Kommentar schreiben

Benfica Lissabon! Olympiakos Piräus! Galatasaray Istanbul! Und zusätzlich noch Metalist Charkow – das sind also Herthas Gegner in der Gruppenphase des Uefa-Cups. Sicherlich eine sehr ausgewogene Gruppe, in der jeder Mannschaft ein Weiterkommen zuzutrauen ist. Dafür verspricht diese Gruppe endlich wieder spannende und hochklassige Europapokalabende mit Beteiligung von Hertha. Und über ein leeres Olympiastadion muss man sich angesichts der Heimspiele gegen Benfica und vorallem Galatasaray wohl auch keine Sorgen mehr machen. Fest steht jedenfalls: Es ist zwar schwer aber nicht unlösbar für Hertha die nächste Runde zu erreichen – für Hertha spricht hier vorallem, dass man gegen die zwei stärksten Gegener Heimspiele austragen darf. Wenn Hertha diese zwei Spiele gewinnt, dürfte man bereits weiter sein.

Hertha und die Hoffnung

•Oktober 6, 2008 • Kommentar schreiben

Nach dem 7.Spieltag vom Wochenende legt die 1.Bundesliga also wieder eine kleine Pause ein – bis 17.Oktober. Wieder erwarten gehört Hertha zu jenen Klubs die dieser Pause entspannt engegen blicken können. Dabei hatte angesichts der jüngsten Auftritte gegen Dortmund, Cottbus und St.Patrick’s Athletic kaum Einer zu hoffen gewagt Hertha könnte bei Bayer Leverkusen auch nur einen Punkt ergattern. Am Ende holte Hertha sogar drei – Woronin und Drobny sei Dank. Besonders erstaunlich war dabei die Leistung Drobnys: Seit der Verpflichtung des Torwarts vor über einem Jahr hatte dieser bestenfalls durchschnittliche Leistungen geziegt – davon einen starken Rückhalt für das Team darzustellen war er meilenweit entfernt. Sein Auftritt gegen Bayer gibt nun Anlass zur Hoffnung, dass Drobny auch bei Hertha regelmäßig die Leistungen zeigt, wegen derer er 2007 verplichtet wurde.

Hoffnung ist ja sowieso das passende Wort in Zusammenhang mit Hertha. 11 Punkte aus 7 Spielen, in der Tabelle auf Platz 8, im Uefa-Cup in die Gruppenphase eingezogen – das alles ist recht ordentlich und verspricht eine letztlich bessere Saison als 2007/2008. Doch wie schon in der letzten Saison spielt Hertha sehr unkonstant, auf gute Leistungen folgen immer wieder erschreckend schwache. Eine spürbare Weiterentwicklung der Mannschaft kann man bisher nicht feststellen, jedoch hat der Sieg gegen Bayer meinen Glauben gestärkt, dass es tatsächlich vorangeht – zumindest für die nächsten zwei Wochen.

Dann geht es gegen Stuttgart..

Hertha – St.Patrick’s Athletic, Teil 2

•September 29, 2008 • 1 Kommentar

Was war das nur für eine Woche für Hertha! Der Auftakt mit dem knappen Sieg über Gladbach war ja noch viel versprechend, die Glücksmomente nahmen dann zum Wochenende hin jedoch rapide ab: Erst das bittere Aus im Pokal gegen sehr biedere Dortmunder, die man als Mannschaft mit Europapokal-Ambitionen einfach hätte besiegen müssen, und dann schließlich die Derby-Niederlage gegen Energie Cottbus.

Energie – eine Mannschaft, die vollkommen zu Recht als einer der größten Abstiegskandidaten gehandelt wird und die sich aktuell in einer Form befindet, in der sie wohl gegen jeden anderen Ligakonkurrenten verloren hätte – für Hertha jedoch hat es dennoch gereicht. Somit hat Hertha also ausgerechnet in der einzigen Mannschaft der Liga, die man halbwegs als Lokalkonkurrenten bezeichnen kann, seinen absoluten Angstgegner gefunden: 11 Duelle gab es bisher, 7 wurden verloren. Gegen eine solche Mannschaft ist das nicht nur desaströs, sondern peinlich. Hertha macht sich in diesen Duellen regelmäßig lächerlich – neue Fans wird man so nicht anziehen können.

Das Rückspiel bei St.Patrick’s Athletic am Dienstag bietet nun wenigstens eine kleine Möglichkeit der Ablenkung. Das Hinspiel hat Hertha ja bereits mit 2:0 gewonnen. Da man St.Patrick’s zudem nicht gerade als europäische Spitzenmannschaft bezeichnen kann, stehen die Chancen die Gruppenphase zu erreichen alles andere als schlecht. Oder um es deutlicher zu sagen: Ein Ausscheiden gegen die Iren wäre unakzeptabel.

PS: Das DSF überträgt übrigens live ab 18:00 Uhr.

Der Mann und der Bär

•September 24, 2008 • Kommentar schreiben
Zum Tode von Thomas Dörflein, dem Pfleger des Eisbären Knut aus dem Berliner Zoo.

„Man mag drei- oder viertausend Menschen gekannt haben, man spricht immer nur von sechs oder sieben.“

Thomas Dörflein war einer dieser Menschen, derer man sich wohl immer erinnern wird. Wenn die Menschen ihn und Knut auf der Anlage oder auch nur im Fernsehen sahen, schienen viele wie beseelt und vergaßen für einen Moment ihre alltäglichen Probleme. Beide, der kleine Eisbär und sein stiller Pfleger und wurden gleichermaßen zu Stars – das Dörflein genau dies nie wollte, das er bescheiden blieb bis zuletzt und es ihm stets einzig um das Wohl der ihm anvertrauten Tiere ging – das hat ihn letztlich nur noch sympathischer gemacht.

Am Anfang der Beziehung zwischen Dörflein und Knut, bevor der große Rummel über den Zoo losbrach, stand die Sorge um ein kleines Eisbärenjunges, das dem Tod teils näher war als dem Leben. Zusammen mit seinen Kollegen gewann der so robust erscheinende Dörflein den Kampf um das Leben von Knut – das er sein eigenes nun so abrupt verlor ist unfassbar tragisch.

Kondolenzbuch des Berliner Zoos